Über Autismus


«Es gibt verschiedene Formen von Autismus, und es gibt nicht eine einzelne genetische Ursache.»

Neurogenetik-Forscher Daniel Geschwind


Autismus verstehen: Die Vielfalt des Spektrums

Herkunft und Bedeutung des Begriffs

Der Begriff «Autismus» leitet sich vom griechischen Wort αὐτός (selbst) ab und bedeutet «auf sich selbst bezogen sein». Die Bezeichnung wurde vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler (1857-1939) geprägt. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsbeeinträchtigung, die sich bereits in der frühen Kindheit manifestiert. Autismus ist angeboren und hält lebenslang an. Daher gilt Autismus nicht als Krankheit, die heilbar ist. Menschen im Autismus-Spektrum können eine breite Palette von besonderen Fähigkeiten haben, aber auch unter erheblichen Beeinträchtigungen leiden, die eine umfassende Betreuung erfordern. Gängige Begriffe sind Autismus, Autismus-Spektrum und Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Erscheinungsbild und Wahrnehmung

Menschen mit autistischer Wahrnehmung erleben ihre Umwelt in einer Weise, die sich von der Wahrnehmung der sogenannt «Neurotypischen» unterscheidet. Dies äussert sich durch einen ausgeprägteren Bezug zum Detail im Gegensatz zu einer Kontext bezogenen Betrachtung – Hunderte von einzelnen Bäume, aber kein Wald. Menschen mit Autismus haben eine Vorliebe für Vertrautes und Vorhersehbares sowie sensorische Über- oder Unterempfindlichkeiten.

Ursachen verstehen

Die genetischen Ursachen von Autismus sind äusserst vielfältig und hochkomplex. Zusammen mit Umwelteinflüssen kommt es zu vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt.

  • Erbliche Faktoren gelten als eine der Hauptursachen für Autismus:
    Wenn ein Elternteil im Autismus-Spektrum ist, besteht eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass auch seine Kinder von Autismus betroffen sind, und in der Regel zeigen beide eineiige Zwillinge Anzeichen von Autismus.
  • Das zentrale Nervensystem ist betroffen: 
    Autismus wird als Entwicklungsbeeinträchtigung des zentralen Nervensystems betrachtet und geht mit Veränderungen basaler Hirnfunktionen, insbesondere der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, einher.
  • Umwelteinflüsse haben einen Einfluss: 
    Als mögliche Umwelteinflüsse werden Infektionen während der Schwangerschaft diskutiert, Komplikationen während der Geburt, Hormone in der Gebärmutter oder Anomalien im Folatstoffwechsel (Vitamin-B).

Verstehen und verstanden werden 

Menschen im Autismus-Spektrum haben oft Schwierigkeiten, sich in unserer komplexen Welt zurechtzufinden, Kontakt aufzunehmen und ihr Verhalten angemessen zu gestalten. Umgekehrt haben neurotypische Menschen wenig intuitives Verständnis für die oft besonderen Verhaltensweisen von Menschen im Autismus-Spektrum. Ein wertschätzender Blick auf diese Vielfalt trägt dazu bei, ein inklusiveres Verständnis für die Stärken und Potenziale von Menschen im Autismus-Spektrum zu fördern.


«Es gibt also nicht den Autismus, sondern viele verschiedene Autismen. Das könnte auch eine plausible Erklärung dafür sein, warum autistische Menschen so unterschiedlich sind.»

Autismus-Kultur


Häufigkeit

Autismus betrifft nach Angaben der World Health Organization (WHO) mindestens 1 % der Bevölkerung. Die Stiftung Kind und Autismus geht sogar von einer höheren Häufigkeit aus, basierend auf Daten der «Autism Society» und einem Bericht der «Centers for Disease Control and Prevention (CDC)», die eine Häufigkeit von 1 zu 36 (2.77 %) aufzeigen. Autismus tritt unabhängig vom sozialen Umfeld in allen Kulturen auf. Es wird häufiger bei Jungen diagnostiziert, das Verhältnis liegt zwischen 2:1 und 3:1.

In der Schweiz fehlt eine offizielle Erhebung zu den Zahlen. Bei einer Häufigkeit von mindestens 1 % ist die geschätzte Anzahl: 

  • Mindestens 87'000 Menschen im Autismus-Spektrum leben in der Schweiz, mit mindestens 890 Neugeborenen pro Jahr.
  • Im Kanton Zürich sind mindestens 15'000 Menschen im Autismus-Spektrum, mit mindestens 170 Neugeborenen pro Jahr.
  • Gemäss Bericht des eidgenössischen Departements des Innern (EDI) zur Intensiven Frühintervention vom September 2023 liegt die Prävalenz von ausgeprägtem Autismus (ehemals frühkindlichem Autismus) bei etwa 0,3 %. Demnach sind in der in der Schweiz pro Jahr rund 270 Kinder betroffen.

Mit Autismus leben – Unterstützung und Therapie

Unsere massgeschneiderte Unterstützung, Förderung und Begleitung hat zum Ziel, die Lebensqualität der Menschen im Spektrum zu verbessern. Menschen mit Autismus profitieren von einer breiten Palette von unterstützenden Interventionen und Therapien. Diese können Verhaltenstherapie, Sprachtherapie, Ergotherapie und andere individuell angepasste Ansätze umfassen. Die Betonung liegt darauf, die individuellen Stärken zu fördern und Strategien zur Bewältigung von Herausforderungen zu entwickeln.

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